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Muss man sich Ethik leisten können?

In diesen Tagen findet wieder die CES statt. Eine der größten und wichtigsten Technikmessen, die es gibt. Dabei wird viel über „Nachhaltigkeit“ geredet. Auch die Folgen des Klimawandels und das mögliche Handeln dagegen wird diskutiert.

Aber wie viele Transatlantikflüge wurden nur für dieses Event gemacht? Wie viele Tonnen CO2 wurden zusätzlich ausgeschüttet. Nicht nur um die Menschen nach Las Vegas zu bringen. Auch die Technik. Autos, Fernseher, Messestände und alles was dazu gehört.

Vielleicht sind aber diese Events auch bitter nötig. Um die richtigen Menschen zusammen zu bringen. Damit sich neue Ideen formen können und Innovationen gestaltet werden können.

Egal, was meine Meinung zur CES ist, hatte ich heute einen Gedanken: Wie verhält sich ein Mitarbeiter eines dieser Unternehmens, wenn er den Aufwand und die zusätzlichen Ressourcen nicht befürwortet? Er glaubt nicht an den positiven Effekt des Events. Glaubt vielleicht, dass es negativ ist, da so viel zusätzlich geflogen wird.

Aber, was tun? Kann jemand, der Angestellt ist, einfach sagen: Nein, ich fliege nicht mit, weil es gegen meine Prinzipien ist? Was, wenn er Kinder hat? Und ein Haus abbezahlen muss?

Wer kann sich Ethik leisten?

Kann er einfach sagen: Nein? Oder kann er es sich nicht leisten, seine Meinung zu vertreten? Kann er sich seine eigene Ethik, seine eigenen Prinzipien nicht leisten?

Ich hatte schön öfters dieses Gespräch in einem anderen Zusammenhang: Investieren.

Wie viel Ethik kann ich mir bei meinen Investments leisten? Will ich mir dieses Ethik mit einer geringeren Rendite erkaufen?

Angefangen habe ich meine Investments vor einigen Jahren. In Einzelaktien. Und da waren die Bösen dabei. Nestle, Altria (Tabak), BHP (Bergbau). Mittlerweile auch die richtig Bösen: Google, Amazon… Aber für Dividenden und Renditen sind diese Firmen ausgesprochen hilfreich!

Der Hauptteil der Investments ist mittlerweile in ETF’s angelegt. Die breit gestreut sind. Also auch in genau diese vielleicht nicht 100% ethisch agierenden Firmen.

Das Ziel der Anlagen ist, maximal Gewinn zu erwirtschaften. Um finanzielle Freiheit zu erreichen. Wenn ich wirklich irgendwann finanziell unabhängig sein möchte, muss ich entweder richtig viel sparen. Oder richtig gut anlegen. Oder beides. 😉

Aber ich könnte auch in ethisch vertretbare Anlagen investieren. Ich will auch nicht verschweigen, dass es diese gibt. Aber die zu erwartende Rendite dieser Anlagen ist nunmal geringer als wenn ich in den kompletten Markt investiere.

Also ethisch korrekt investieren?

Der norwegische Staatsfond kann sich diese Ethik leisten. Er investiert das Geld, dass Norwegen mit Öl (!!!) verdient ausschließlich in ethisch vertretbare Firmen. Dabei wird Tabak, Alkohol und Waffen unter anderem ausgeschlossen.

Der Staatsfond investiert für die Bürger. Und als Land ist es denke ich vertretbar, diese Einstellung zu haben.

Aber kann ich mir diese Art von Ethik leisten? In einem der ersten Bücher*, die ich zum Thema investieren gelesen habe, sagt der Autor im übertragenen Sinn: Sei nicht naiv als Kleinanleger! Um Rendite zu erwirtschaften muss man in die besten Firmen investieren.

Will ich wirklich meine FIRE Datum um mehrere Jahre nach hinten verschieben? Um mit einem ethisch vertretbaren Investment weniger Rendite zu erwirtschaften als mit einem World ETF?

Aber wie kann ich sonst meinen Kindern erklären, was ethisches Handeln ist. Wir wollen alle in einer guten und positiven Gesellschaft leben. Wie erreiche ich das?

Mit angepassten Investments? Aber was ändert sich an den Firmen und ihren Praktiken? Oder kaufe ich mir damit nur ein reines Gewissen ohne etwas zu ändern? Kann ich mir diese Art von Ethik bei meinen Investments wirklich leisten?

 

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